Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung e.V.
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Call for Papers (pdf)

Jahrestagung der Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung
am 17. und 18. November 2022, SFS Dortmund

Organisation: Jürgen Howaldt, Rick Hölsgens, Jan-Hendrik Passoth, Cornelius Schubert

Engagiert sein in der Transformationsforschung

Das "engagierte Programm" innerhalb der Wissenschafts- und Technikforschung (Sismondo 2008) fordert immer wieder dazu auf, sich in den Aushandlungsprozessen zwischen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft zu positionieren und neben reflexivem Wissen auch Formate der Einmischung, Intervention und Gestaltung zu entwickeln. Eine solche Positionierung wird in den letzten Jahren im Rahmen einer interdisziplinären Transformationsforschung zunehmend sowohl politisch gewollt als auch gefordert. Transformation als Schlagwort großer gesellschaftlicher Wandlungsprozesse überschreitet dabei disziplinäre Grenzen und erneuert den Anspruch, dass sich auch die Sozial- und Geisteswissenschaften aktiv an der Bewältigung der globalen "Grand Challenges" beteiligen.

Wir wollen im Rahmen der Tagung fragen, was es für die Wissenschafts- und Technikforschung bedeutet, in der Transformationsforschung und damit in Prozessen der Transformation involviert und engagiert zu sein. Einerseits lässt sich das engagierte Programm nun durch die Projektzusammenhänge und Forschungsprogramme der Transformationsforschung verstärken und die ohnehin interdisziplinär aufgestellte Wissenschafts- und Technikforschung kann sich gewinnbringend in die Analyse und Gestaltung von Transformationsprozessen einbringen. Gerade der Fokus auf die Wechselverhältnisse von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft kann für Fragen der sozial-ökologischen Transformation, des regionalen Strukturwandels oder einer Mobilitätswende fruchtbar gemacht werden. Andererseits wird die Forschung damit zum inhärenten Bestandteil politischer Gestaltungsvorhaben und läuft Gefahr, ihre kritische Distanz zu verlieren bzw. Prozesse des Strukturwandels nicht grundsätzlich einer transformations- oder innovationskritischen Reflexion zu unterziehen und damit einem verbreiteten Innovationsimperativ Vorschub zu leisten.

Wie kann sich Wissenschafts- und Technikforschung in den unterschiedlichen Konstellationen der Transformationsforschung verorten und welche Rolle wird ihr im Panorama der Disziplinen bzw. aus Sicht der Fördermittelgebenden zugeschrieben? Durch den Erfolg und die Verbreitung der Wissenschafts- und Technikforschung in den letzten Jahren trifft die Transformationsforschung sowohl auf Wissenschaftsgebiete, die ihre Sichtweise teilen und ihr gegenüber aufgeschlossen sind, als auch auf Gebiete, in denen das nicht der Fall ist. Es geht also auch um die Frage, wie die Wissenschafts- und Technikforschung einerseits in gesellschaftlichen Prozessen engagiert ist und zugleich auch im innerwissenschaftlichen Austausch steht. Welche Impulse lassen sich dabei aus der in den letzten Jahren sich zunehmend entwickelnden Sozialen Innovationsforschung gewinnen.

Wir wollen diese Fragen entlang von verschiedenen Themensetzungen diskutieren:

  1. Für die Wissenschafts- und Technikforschung stellt sich die Analyse der "Politics of Expertise" (Fischer 1990) in doppelter Weise. Einmal, indem die Politiken der Expertise in den Transformationsprozessen selbst zum Thema werden. Zum anderen aber auch, wie die wissenschaftsinternen Expertisepolitiken im interdisziplinären Austausch ausgehandelt und in Transformationsprozesse eingebracht werden.
  2. Die Expertise der Wissenschafts- und Technikforschung, insbesondere über Wissenschaft und Technik auskunftsfähig zu sein, stößt an ihre Grenzen, wo im Rahmen von umgreifenden Transformationsprozessen auch Kenntnisse über Lebens- und Arbeitswelten im Alltag der Betroffenen benötigt werden. Welche Anstöße lassen sich hier aus der Diskussion um neue Formen der Wissensproduktion und eine transformative Wissenschaft gewinnen?
  3. Wenn sich die Transformationsforschung als nationaler und internationaler Fördertrend etabliert, welche Effekte hat das auf die Art und Weise, wie wir in Zukunft Wissenschafts- und Technikforschung betreiben werden?
  4. Welche Alternativen werden zu den in der Regel stark gegenwartsbezogenen und zukunftsorientierten Narrativen der Transformationsforschung formuliert?
  5. Lassen sich bestimmte Muster der Transformationsforschung aus Sicht der Wissenschaft- und Technikforschung aufzeigen? Etwa ein Innovationsimperativ, eine Neigung zum technological fix, Digitalisierungshoffnungen oder das Zurückziehen staatlicher Institutionen.

Die Liste dieser Beispielthemen und -fragen ist selbstverständlich nicht abgeschlossen.

Wir freuen uns über Beitragsvorschläge mit Titel und Abstract (~300 Worte) bis 29. Juli 2022 an:
tagung@gwtf.de.

Veranstaltungsort:
Sozialforschungsstelle Dortmund
Technische Universität Dortmund
Fakultät Sozialwissenschaften
Evinger Platz 17
44339 Dortmund

Während der Tagung können Kinder von Referent*innen betreut werden.
Die Betreuungskosten übernimmt die GWFT.

 

Literatur
Sismondo, Sergio (2008): "Science and Technology Studies and an engaged program", in: Edward J. Hackett/Olga Amsterdamska/Michael Lynch (Hg.), The handbook of science and technology studies, Cambridge: MIT Press, S. 13-31.
Fischer Frank (1990): "Technocracy and the politics of expertise". Newbury Park: Sage

Zuletzt aktualisiert am 26.06.2022 [zum Seitenanfang] [Impressum/Datenschutzerklärung]