Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung e.V.
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Call for Papers

Jahrestagung der Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung am 18. und 19. November 2016 in Berlin
(In Kooperation mit dem Institut für Soziologie der TU Berlin)

Organisation: Cornelius Schubert, Ingo Schulz-Schaeffer, Jan-Peter Voß

Soziale Innovationen in sozio-materiellen Arrangements

Für die sozialwissenschaftliche Technikforschung wie auch für die Science and Technology Studies insgesamt ist es eine Binsenweisheit und Basisgewissheit, dass technische Innovationen nie nur aus sachtechnischen Apparaturen und materiell konfigurierten Abläufen bestehen, sondern ebenso auch aus den korrespondierenden Verhaltensweisen ihrer Bediener, Nutzer oder anderswie Involvierter sowie aus den sozialen Festlegungen (organisationaler, rechtlicher, ökonomischer, politischer oder sonstiger Art), an denen diese sich dabei orientieren oder messen lassen müssen. Gesellschaftlich genutzte technische Neuerungen sind immer sozio-technische Innovationen. Jede technische Innovation ist also ein neues sozio-materielles Arrangement. Das bedeutet aber nicht, dass jede Komponente neu ist oder im gleichen Umfang von Veränderung betroffen ist, um Bestandteil der Innovation zu werden. Viele inkrementelle Innovationen beispielsweise verdanken ihre schnelle Verbreitung dem Umstand, dass sich auf der sozialen Seite des neuen Arrangements wenig ändert, dass man also beispielsweise keine neuen rechtlichen Regelungen benötigt und keine grundsätzlich andere Bedienungsweise erlernen muss, um die neue Technik benutzen zu können, und dass die Entwicklung und Installation keine grundsätzlich neuen Organisations- und Wissensformen erfordert.

Es gibt umgekehrt aber auch technische Neuerungen, bei denen dies anders ist und wo die betreffende Innovation wesentlich auf Veränderungen von sozialen Komponenten beruht oder von ihnen abhängt. Neue sozio-materielle Arrangements dieser Art, bei denen die Neuerung wesentlich soziale Innovation ist, sind Gegenstand der diesjährigen Jahrestagung der GWTF. Erwünscht sind konzeptionelle und empirische Beiträgen, die den Stellenwert sozialer Innovationen in sozio-materiellen Arrangements in den Blick nehmen und die folgenden Fragen diskutieren:

  • Unter welchen konzeptionellen Annahmen, in welchen empirischen Fällen und für welche Erkenntnisinteressen ist es überhaupt sinnvoll und möglich, zwischen einer technischen und einer sozialen Seite von Innovationen zu unterscheiden?
  • Was sind aussagekräftige Fallbeispiele für neue sozio-materielle Arrangements, bei denen die Neuerung wesentlich soziale Innovation ist oder bei denen sie in der gesellschaft-lichen Wahrnehmung im Vordergrund steht? Was lässt sich aus ihnen lernen?
  • Gibt es gemeinsame Charakteristika, die diese Fälle verbinden? Höhere Freiheitsgrade bei der Rekombination bestehender technischer Komponenten beispielsweise, die die Erfindung neuer Einsatzformen begünstigen? Sind solche Arrangements möglicherweise weniger „hart“, also weniger strikt gekoppelt, sondern eher Technologien? Sind sie Innovationen, deren Entstehung und Ausbreitung in besonderem Maße durch soziale Medien beeinflusst werden?
  • Handelt es sich bei Innovationen, die wesentlich soziale Neuerungen sind, in besonderem Maße um Nutzer-Innovationen? Spielen Nutzer oder öffentliche Diskurse bei ihrer Aneignung und Verbreitung eine größere Rolle? Lassen sich kategoriale Einteilungen in Produzenten und Nutzer, Industrie und Markt, Grundlagenwissenschaft und Anwendung, Forschung und Entwicklung, Labor und Feld hier aufrecht erhalten?
  • Gibt es bestimmte Typen von Innovationen oder bestimmte Anwendungskontexte in denen sich das Muster „große soziale Neuerung bei kleiner sachtechnischer Veränderung“ besonders häufig zeigt?
  • Was unterscheidet die hier betrachteten Fälle noch von „reinen“ sozialen Innovationen? Oder anders gefragt: Lassen sich diese Fälle ohne weiteres mit dem sich neu etablierenden Konzept der sozialen Innovation verstehen, gegebenenfalls als Spielart sozialer Innovationen?
  • Und schließlich: Handelt es sich um Innovationen, bei denen den Sozialwissenschaften besondere Bedeutung im Forschungs- und Entwicklungsprozess zukommt, weil es um Technologie im Medium sozialer Strukturen geht (z.B. Organisation, Koordination, Ausbildung, Capacity Building, Regelung, Steuerung, Governance)?

Abstracts von max. 3.000 Zeichen werden erbeten bis zum 30.06.2016 an schulz-schaeffer@tu-berlin.de

 

Tagungsort:
Technische Universität Berlin
Seantssitzungssaal (H 1035)
Hauptgebäude
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
U-Bahn: Ernst-Reuter-Platz, Linie U2

Während der Tagung können Kinder von Referentinnen und Referenten betreut werden.
Die Betreuungskosten übernimmt die GWFT.

Zuletzt aktualisiert am 29.05.2016 [zum Seitenanfang]